Dienstag, 1. November 2016

Tipps und Anleitungen

Fotografiert mehr in Belichtungsreihe!!



Fast genau eine Woche ist es nun her, dass ich auf einer alten Festplatte RAW-Dateien aus meinem letzten London-Urlaub gefunden habe. Damals begann ich gerade damit, mich an Belichtungsreihen zu versuchen, um später Dynamik-Schwierigkeiten in der Nachbearbeitung so gut es geht zu vermeiden, um eine möglichst hohe Bildqualität zu erzielen. Nach dem Urlaub war die Euphorie allerdings schnell vergessen, sodass ich nur noch das korrekt belichtete Foto der Reihe bearbeitete und diese Version speicherte. Jetzt, ein Jahr später, packte ich alle Dateien an und das Ergebnis war, verglichen mit dem einzelnen Foto, deutlich besser. Deshalb ist das Thema in diesem Post vor Allem eine Aufforderung: Fotografiert mehr Belichtungsreihen!!!
Bevor wir uns mit der Frage des "Warum?" befassen, fragen wir uns doch erst einmal "Warum nicht?"!
Denn aufgrund der zunehmenden Bedeutung von Fotos in sozialen Netzwerken und dem damit verbundenen Boom und gesteigerten Funktionen von leistungsfähigen Handykameras ist die Möglichkeit, Belichtungsreihen fotografieren zu können, in der Mehrheit der technischen Geräte mit Kamera durchaus gegeben.
Dazu kommt, dass ausreichender Speicherplatz mittlerweile immer günstiger und leichter zu erwerben ist, sodass das Vorhandensein einer vergleichsweise großen Menge an Fotos zu keinen großen Problemen mehr führt.
Welches Gegenargument gibt es also, außer, dass die Funktion auch verwendet werden muss?
Denn Gründe dafür gibt es einige!!
Anfängern, die Probleme damit haben, korrekt zu belichten oder sich noch unsicher fühlen, bietet die Funktion eine gute Versicherung und garantiert auch ohne Nachbearbeitung im Zweifelsfall ein korrekt belichtetes Foto zu erhalten.
Ähnliches gilt für Fotos in komplexen Lichtsituationen, bei denen das "Auf-Grau-Rechnen" der Automatik-Funktion versagt oder zu starke Kontraste in der Nachbearbeitung reduziert werden müssten. Letzteres kann durchaus mit Qualitätsverlusten einhergehen.
Daneben sind Belichtungsreihen ein guter Einstieg und Anhaltspunkt für diejenigen, die sich in das Lesen des Histogramms einarbeiten.
Hinzu kommt, dass Belichtungsreihen - wie oben erwähnt - riesige Möglichkeiten in der Nachbearbeitung ermöglichen und so zu Resultaten führen, die weit über die Grenzen eines Fotos und der Kamera hinausgehen.
HDR-Fotos oder das Zusammenfügen von erwünschten, korrekt belichteten Bereichen der Fotos ist so möglich. Stellen wir uns eine komplexe Lichtsituation vor: Vor uns liegt eine weite Stadtlandschaft bei Nacht mit Wolkenkratzern, schwachen Lichtern am Horizont und hellen Autobahnen. Stellen wir uns nun die Kamera ein, müssen wir einen Kompromiss finden: Entweder riskieren wir, dass der Horizont absäuft, oder wir riskieren, dass die hellen Lichter der Autobahn ausbrennen. Nach diesem Kompromiss müssten wir unser Bearbeitungsprogramm öffnen, um entweder Tiefen oder Lichter zu korrigieren. Das geht zwar in den meisten Situationen, aber definitiv nicht immer, mit zum Teil sehr enttäuschenden Ergebnissen. Fotografieren wir aber in Belichtungsreihe, erhalten wir ein Foto mit korrekt belichtetem Horizont, eines, bei dem die Autobahn korrekt belichtet ist und eines, bei dem die Wolkenkratzer passen. Diese Elemente können wir jetzt bewusst über Ebenenmasken in einem Bild festhalten, bei dem noch keine Korrekturen vorgenommen worden sind. Wir erreichen also eine Arbeitsgrundlage oder ein Endresultat mit sehr hoher Qualität.
Solche Ebenenmasken können bereits in der Freeware GIMP verwendet werden. Wer nur in kleinerem Umfang und weniger komplex fotografieren will, kann auf Apps mit vorgefertigten Masken zurückgreifen. Lightroom mobile bringt die Nachbearbeitung dann noch auf ein völlig neues Level.
Damit klarer wird, wovon ich spreche, möchte ich ein kurzes Beispiel für die Bearbeitung in GIMP und eines für die Bearbeitung am Handy geben. Bei allen Belichtungsreihen ist darauf zu achten, dass Kamera oder Handy wirklich still stehen. Das ist aber kein Problem mehr! Stative für Handys sind bereits unter 10 Euro erhältlich, für größere Kameras ist ein Bohnensack völlig ausreichend.


1. Bearbeitung in GIMP


Zunächst wähle ich mir das Bild der Belichtungsreihe aus, das korrekt belichtet ist (+/- 0 Blendenstufen) oder eines, das mir am besten gefällt. Der Import erfolgt mittels Rechtsklick, Öffnen mit..., GIMP. Von nun an konzentriere ich mich nur noch auf Bereiche im Bild, in denen kaum noch Details zu sehen sind. In meinem Beispiel ist das Opernhaus korrekt belichtet, der Himmel brennt jedoch aus. Nun gehe ich zurück zu den Bildern meiner Belichtungsreihe und suche mir das Bild aus, bei dem dieses Problem nicht besteht, d.h. mein Himmel korrekt belichtet ist. Mit gehaltenem Linksklick kann ich dieses Bild auf mein korrekt belichtetes Foto in Gimp legen. So entsteht eine neue Ebene.


Da wir nur den Himmel in das Foto zeichnen möchten, empfielt es sich, diese Ebene unter die andere Ebene mit dem korrekt belichteten Foto zu ziehen. Dazu wählen wir die eben importierte Ebene aus und ziehen sie mit gedrücktem Linksklick unter die andere Ebene. Wir wählen nun die neue obere Ebene mit Rechtsklick aus und wählen Ebenenmaske hinzufügen..., Weiß, Volle Deckkraft 


Jetzt sollte neben unserem korrekt belichteten Foto ein weißes Rechteck auftauchen. Nun wird es spannend. Auf dem Foto liegt jetzt eine weiße Maske. Alle Bereiche, die weiß sind, zeigen Elemente des korrekt belichteten Fotos. Nehmen wir nun einen schwarzen Pinsel und beginnen auf dieser Ebene schwarz zu malen, werden Elemente des anderen Fotos sichtbar. Das bedeutet, dass wir unseren korrekt belichteten Himmel einfügen können, indem wir auf der Ebene mit der Ebenenmaske einfach den Himmel schwarz ausmalen. Wer -so wie ich - keine ruhige Hand hat, kann mit Rechtklick auf die Ebenenmaske klicken und den Haken bei Ebene bearbeiten entfernen. Anschließend können mit Zauberstab oder selektiver Farbauswahl (Werkzeugkasten) die Bereiche ausgewählt werden, die entfernt werden sollen. Die Auswahl wird durch eine gestrichelte Linie angezeigt.

Wählt das Programm nicht vollständig den erwünschten Bereich aus, können Bereiche mit gedrückter Shift-Taste durch Linksklick hinzugefügt werden. Wenn alles ausgewählt ist, dann muss wieder Rechtsklick auf die Ebenenmaske erfolgen und der Haken bei Ebenenmaske bearbeiten wieder hinzugefügt werden. 
Das Endergebnis kann mittels Datei, Exportieren als... gespeichert werden.



2. Bearbeitung mit Handy-App

Meine Vorgehen bezieht sich ausschließlich auf die App Blendifier, die für Windows Phone erhältlich ist. 

Zum Start öffne ich Blendifier und wähle mir die Ebene mit korrekt belichtetem Himmel aus. 


Mittels blend unten links und dem Symbol neben dem Trichter füge ich mein korrekt belichtetes Foto hinzu und deaktiviere die automatische Überlagerung der Fotos (das funktioniert komischerweise meistens besser, als anders herum). 
Dann wähle ich Masken und suche mir die Maske die am besten passt. Schwarze Bereiche werden dabei aus dem anderen Foto übernommen, weiße Bereiche bleiben, wie sie sind.


Nun ist das Foto fertig. Für weitere Einstellungen an den Ebenen kann das übernächste Symbol gewählt werden. Ich habe mich hier für Addition entschieden:


Fertig. Mit Ok wird das perfekt belichtete Ergebnis gespeichert.


Fazit

Ich gebe zu, dass die Bearbeitung ein wenig Übung erfordert und zu Beginn wirklich Zeit kosten kann. Aber mit ein wenig Übung wird der Vorteil von Belichtungsreihen immer deutlicher und die Ergebnisse beeindrucken. Wer ein Mal das Potential von Belichtungsreihen erkannt hat, wird nie wieder ohne sie leben wollen!!





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